Home » News » Detail

Der Standard ist mehrdimensional

Kommentar Veronika Reichenbrugger, für „Wirtschaftsnachrichten“, Ag. November 2016.

Was ist ein Standard? Im Produktionsbereich gibt es dafür vielseitige Verwendung: als Beschreibung eines Arbeitsablaufes, als Definition der Verwendungsart von Materialien oder Betriebsstoffen oder die Klarstellung, wie das Erscheinungsbild eines Arbeitsbereiches sein soll. Eines ist allerdings auffällig: der Standard ist in 99% der Fälle eine Checkliste im Papierformat.

Ich sehe täglich Menschen Häkchen auf diese Listen machen und pflichtbewusst ihre Unterschrift darunter setzen. Das Schema immer gleich: Situation betrachten, Checkliste verwenden, Abweichung notieren und eventuell eskalieren. Ja ist das denn wirklich notwendig? Mit dieser Vorgehensweise schaffen wir Nährboden für Verschwendung (Tätigkeit ohne Mehrwert) und vor allem Demotivation (Papierberge am Arbeitsplatz). Und mir drängt sich die Frage auf: soll ein Standard nun Sicherheit vorspielen („haben wir ja alles dokumentiert“) oder soll er tatsächlich im Arbeitsalltag unterstützen?

Lenken wir unser Denken in Standards, die keine Überprüfung brauchen. Die gibt es nicht? O doch. Oder lesen Sie zuerst die Bedienungsanleitung bevor Sie einen Beamer an Ihren Laptop anschließen? Und Sie machen das auf Anhieb richtig. Weil eine falsche Handhabung unmöglich ist. Im Fertigungsalltag sind das beispielsweise unterschiedlich große Anschlüsse, die nicht vertauscht werden können oder Transportboxen, die so ausgeführt sind, dass nur korrekt montierte Teile eingelegt werden können. Und das sind nur die banalen Dinge. Im Zeitalter von Industrie 4.0 fällt uns bestimmt auch eine elegante Softwarelösung ein.